Unwahrheiten der Medizin


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Die Unterdrückung der neuen Ernährungslehre

THEMEN


Die Unterdrückung der neuen Ernährungslehre




Das Rätsel der Beriberi-Krankheit


Es war das Jahr 1889 als der junge holländische Arzt Christian Eijkman seit über drei Jahren versuchte, dem Rätsel der Beriberi–Krankheit in Niederländisch-Indien auf die Spur zu kommen. In all diesen Jahren kam Eijkman mit seinen Forschungen kaum voran. Zu verwirrend waren die Ereignisse um ihn herum, allen voran die Erkenntnisse von Robert Koch, der 7 Jahre zuvor das Tuberkelbazillus entdeckt haben wollte. Koch drang in die Welt der Bakterien ein und die hiesige Medizinerschaft mit ihm. Und auch der Mikrobenforscher Louis Pasteur sagte den kleinen Tierchen den Kampf an; er hatte 1878 sein Werk „Die Mikroben“ veröffentlicht.
Das Urteil stand demnach schon vorher fest, die Beriberi musste durch einen Erreger übertragen werden, den es zu entdecken galt. Niemand zweifelte daran, dass es sich bei dieser Seuche um eine Infektionskrankheit handle. Auch Eijkman zweifelte nicht daran, denn zu groß waren die Schatten, die Koch und Pasteur warfen.
Doch Eijkman gab die Hoffnung nicht auf, die wahre Ursache für die Krankheit zu finden. Unzählige Versuche scheiterten und so entschloss er sich, Hühner mit dem Blut der Beriberi-Kranken zu impfen. Enttäuscht und zugleich überrascht musste er aber feststellen, dass alle Hühner gesund blieben. Doch eines Sommertages wollte er seinen Augen nicht trauen; er sah, wie einige seiner Hühner mit hängenden Flügeln über das Gelände schlichen. Die Impfung schien doch gewirkt zu haben, und tatsächlich litten die Hühner an einer Krankheit, welche der Beriberi des Menschen identisch war. Doch die Freude währte nicht lange, denn auch die nicht geimpften Hühner der Anstalt erkrankten nun. Eijkman stellte daraufhin seine Untersuchungen mit den Zweibeinern ein.
Doch schon einige Monate später bereiteten sie ihm die nächste Überraschung, alle waren von der Krankheit geheilt. Wie konnte das sein, wo doch alle Behandlungsmethoden mit Dampf- und Sonnenbädern, Massagen, Kräutergaben und anderen Dingen bei den erkrankten Menschen völlig wirkungslos blieben, die Hühner aber von selbst gesundeten.
Der einzige Umstand der sich geändert hatte, war der, dass die Hühner in der Zeit vom 17. Juni bis zum 27. November den polierten Reis der Bevölkerung zu fressen bekamen, weil der billigere Naturreis ausgegangen war. Als ein neuer Koch Ende November die Küche übernahm und den Hühnern wieder den Naturreis gab, wurden die Tiere relativ schnell wieder gesund. Nach dieser Entdeckung startete Eijkman sofort eine neue Untersuchung die seine Vermutung bestätigte, die Hühner erkrankten nur, wenn sie mit poliertem Reis gefüttert wurden.
Das Unheil lag also in der Nahrung, speziell im Reis, da die Bevölkerung fast ausschließlich vom Reis lebte. Weitere Untersuchungen an über 300000 Gefängnisinsassen in Niederländisch–Indien zeigten ein eindeutiges Ergebnis: In den Gefängnissen, wo polierter Reis Grundnahrungsmittel war, erkrankten die Menschen 300 mal mehr an Beriberi, als die Insassen, welche von Naturreis lebten. Als Eijkman mit seinen Entdeckungen vorsichtig an die Öffentlichkeit trat, musste der spätere Nobelpreisträger Spott und Schimpfattacken über sich ergehen lassen. Er sollte sich um die Kranken kümmern und die Ernährung den Fachleuten überlassen. Und überhaupt, wie lächerlich würde es für die medizinische Elite werden, wenn die Ursache der Beriberi, im Polieren des Reiskorns liegt.

Die Ursache der Beriberi - Der der polierte Reis


Jahrtausende aßen die Menschen im asiatischen Raum den Reis als ganzes Korn, er wurde lediglich in den Handmühlen von den Spelzen befreit. Doch der technische Fortschritt auf allen Ebenen des kultivierten Lebens drang auch in den Nahrungsmittelsektor ein. So wurde das rote oder graufarbige Reiskorn nicht nur geschält, sondern auch geschliffen, wobei auch der Keim und das Silberhäutchen entfernt wurden. Durch diese technischen Eingriffe verliert das Reiskorn seinen natürlichen Vitalstoffgehalt, allen voran das Vitamin B1, welches eine unentbehrliche Aufgabe im Energiestoffwechsel und Nervensystem spielt.
Warum wurde damit begonnen unsere Nahrung so stark zu verändern und weshalb ist die damalige Ernährungswissenschaft auf diesen Zustand nicht aufmerksam geworden?


Der Irrglaube der alten Ernährungslehre, die Nahrung nach der Anzahl von Kalorien zu bewerten


Die alte Ernährungslehre hatte ihren Ursprung um das Jahr 1840, als Justus von Liebig die Entdeckung machte, dass unsere Nahrungsmittel im Blut verbrannt werden. Seither galten Liebigs Lehrsätze als unanfechtbar, mochten sie noch so richtig oder falsch sein.
Falsch daran war allerdings, dass Eiweiß die einzige Quelle der Muskelarbeit sei. Kohlenhydrate und Fette dagegen dienten demnach nur zur Erhaltung der Körperwärme.
Die Folge dieser Aussagen war eine vollkommene Überbewertung der Eiweißnahrung, allen voran des Fleisches. Zehn Jahre später war es der niederländische Arzt Jacob Moleschott, der in seinem Werk „Lehre der Nahrungsmittel für das Volk“ mehr als jeder andere dazu beitrug, den Irrglauben zu verbreiten, dass der Verzehr von viel Fleisch auch kräftige Muskeln schaffe. Damit wurde aber noch nicht genug Unheil angerichtet, denn gleichzeitig wertete er damit den Wert der Kartoffel aufs höchste ab. „Was soll man aber von einem Nahrungsmittel halten, in dem Eiweiß- und Fettbildner im umgekehrten Verhältnis von den Eiweißkörpern und dem Fette des Blutes vorhanden sind? Mit Fett kann es das Blut und die Gewebe überfüllen, aber wie es das Blut nur ärmlich mit Eiweiß versorgt, so kann es den Muskeln keinen Faserstoff und keine Kraft, dem Gehirn weder Eiweiß noch phosphorhaltiges Fett zuführen.“

Neben diesen höchst fragwürdigen Äußerungen drehte sich das Karussell der alten Ernährungslehre immer weiter in die falsche Richtung. Der Physiologe Carl von Voit und auch Professor Max von Pettenkofer starteten ihre Experimente und kamen zu dem Schluss, dass man auf unsere Nahrung das physikalische Maß der Kalorie anwenden konnte.
Das Prinzip schien einfach, der Mensch nimmt eine gewisse Anzahl von Kalorien zu sich und verbraucht diese unterschiedlich stark. Je nach körperlicher Betätigung ließ sich nun der Bedarf an Kalorien genau bestimmen. Da nur die drei Grundnährstoffe Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate Kalorien enthielten, wurde davon ausgegangen, dass nur diese Stoffe zum Aufbau und Erhalt des menschlichen Körpers notwendig seien. Das Drama nahm seien Lauf und die Nahrung wurde nur noch nach dem Gehalt an Kalorien bewertet.

Ein amerikanischer Schüler Voits, Wilbur Atwater, verbreitete diesen neuen Stand der Ernährungswissenschaft in seiner Heimat und bekam von der Regierung, in Form des Landwirtschaftsministeriums schnelle Unterstützung. Atwater untersuchte alle gängigen Nahrungsmittel, maß ihren Kalorienwert und analysierte sie nach ihrem Gehalt an Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß. Nach 20 Jahren hatte er einen Ratgeber zum Nahrungsmitteleinkauf zusammengestellt, aus dem der amerikanische Bürger entnehmen konnte, wie viel Kalorien er für sein Geld bekommt. Nach diesen Berechnungen wäre es reine Verschwendung gewesen, Obst und Gemüse zu verzehren, wohingegen Maismehl, Weizenmehl und der Fabrikzucker den höchsten Stellenwert eines sich modern ernährenden Menschen erhielten.
Der große Ernährungswissenschaftler Elmer Verner McCollum interpretierte die Ansichten Atwaters auf seine eigene Art. „Im Hinblick auf Atwaters Seelenfrieden war es ein Glück, dass er niemals Menschen oder Tiere zu Gesicht bekommen hat, deren Nahrung nach seinen Vorschriften zusammengestellt war.“

Gustav von Bunge widerlegt die Kalorienlehre


McCollum war noch keine zwei Jahre alt, als der Basler Biochemiker Gustav von Bunge im Jahre 1881 feststellte, dass Mäuse starben, wenn sie eine Mischung aus den chemischen Bestandteilen der Milch in reiner Form als Futter bekamen (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Aschebestandteile der Milch). Auf der anderen Seite erfreuten sich die Mäuse bei bester Gesundheit, welche mit natürlicher Milch gefüttert wurden.
Die Kalorienrechnerei ging demnach nicht auf und Bunge stellte seinem Schüler Lunin die Frage, welche wohl als Geburtsstunde der neuen Ernährungslehre angesehen werden kann: „ Enthält die Milch außer den uns bekannten organischen Stoffen vielleicht noch andere organische Bestandteile, die lebenswichtig sind?“.
Heute müssen wir uns bei dieser Frage das Schmunzeln unterdrücken, doch in jener Zeit waren diese Gedanken der Schlüssel, mit dem alle kleinen und großen Türen im „Haus der Ernährungswissenschaft“ geöffnet werden sollten.

Das Ausmaß, was es zu entdecken galt, war noch nicht abzusehen, die Vitamine waren noch nicht bekannt und doch waren genügend Beobachtungen und Forschungen gemacht worden, die zweifelsfrei bewiesen, dass die alte Ernährungslehre mit ihrer Kalorienrechnung und überhöhten Eiweißzufuhr, Tier und Mensch nicht am Leben erhält.

Bircher - Benner entdeckt die Rohkost als Heilkost


Fünf Jahre vor Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schaffte der Schweizer Arzt Dr. Maximillian Bircher – Benner die Grundlage der neuen Ernährungslehre. Eine schwer magenkranke Frau wurde zunächst von ihm mit der üblichen denaturierten Schonkost erfolglos behandelt. Das hoch gelobte und so nahrhafte Fleisch, sowie das leichtverdauliche Weißbrot führten nur zu einer weiteren Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Durch den Ratschlag eines medizinischen Laien, begann
Bircher – Benner der Frau rohes Obst und Gemüse zu verabreichen.
Seine Zweifel an der positiven Wirkung dieser Heilkost waren anfangs groß, zu sehr war auch er von den üblichen Behandlungsweisen eingenommen. Und überhaupt, sind Lebensmittel im rohen Zustand nicht am schwersten verdaulich? Trotz aller Bedenken, ging es der Kranken von Tag zu Tag besser und unter Beibehaltung der Ernährungsweise gesundete die Frau vollkommenen. Überrascht und erstaunt über die Heilkraft von natur belassenem Obst und Gemüse, ließen sich seine Theorien und Vermutungen darüber inzwischen wissenschaftlich bestätigen.

Die neue Ernährungslehre findet wissenschaftliche Bestätigung


Neben der direkten Heilwirkung am Menschen waren es zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Forscher in ihren Laboratorien, die weiter Licht ins Dunkel des Ernährungswesens brachten.
Neben dem ehrwürdigen Frederick Gowland Hopkins war es der niederländische Physiologe Professor C. A. Pekelharing, welcher 1905 seine Erkenntnisse über seine Fütterungsversuche mit Brot und Milch an Mäusen, in einer kleinen holländischen Zeitschrift veröffentlichte. Die Kernaussagen gaben folgendes wieder: „In der Milch befindet sich eine unbekannte Substanz, die sogar in äußerst geringer Menge von höchster Bedeutung für die Ernährung ist. Fehlt dieser Stoff, dann verliert der Organismus die Fähigkeit, die uns bekannten Nährstoffe richtig zu verwerten, der Appetit geht verloren, und das Tier stirbt mitten im Überfluss, weil ihm dieser Stoff fehlt. Es besteht kein Zweifel, dass sich die die betreffende Substanz nicht nur in der Milch befindet, sondern in vielen Nahrungsmitteln sowohl pflanzlicher wie tierischer Herkunft.“
So weitsichtig und umfangreich seine Erkenntnisse auch waren, sie waren leider in keiner Weltsprache verfasst worden, und so versauerten sie gänzlich unbeachtet in einigen Bibliotheken. Erst 1929 nahm die Welt Anteil an seinen weisen Worten, als nämlich Frederick Gowland Hopkins ihm bei seiner Nobelpreisrede gedenkt.

Zwei Jahre nach Pekelharing`s Niederschrift beobachtete der junge Elmer Verner McCollum im amerikanischen Wisconsin, dass Kühe, die mit Mais anstatt mit Hafer und Weizen gefüttert wurden, einen ausgezeichneten Gesundheitszustand aufwiesen. Verwundert über die unterschiedlichen Auswirkungen der eigentlich gleichwertigen Futterpflanzen, begann er 1907 an Ratten Fütterungsversuche, die ihm weitere Klarheit darüber bringen sollten. Auch seine Beobachtungen waren eindeutig und doch sollten seine Erkenntnisse die Ketten sprengen, in denen die noch neue Ernährungslehre lag. So waren es nicht die Maiskörner, die die Kühe am Leben erhielten, sondern die Kombination mit den grünen Blättern der Pflanze. Aus seinen Rattenexperimenten kam er zu dem Ergebnis, dass Fett nicht gleich Fett ist und einige Fette einen lebensnotwendigen Stoff enthielten.
Nachdem der polnische Biochemiker Casimir Funk 1912 am Lister–Institut in London den Begriff der Vitamine prägte und das wasserlösliche Vitamin B entdeckt hatte, konnte nun auch die von McCollum als „fettlöslicher Faktor A“ bezeichnete Substanz als fettlösliches Vitamin anerkannt werden.

Warum Dänemark im 1.Weltkrieg von der Hungersnot verschont blieb


Während dieser Zeit, in der die neuen Errungenschaften das Licht der weiten Welt erblickten, machte im dänischen Jütland der junge Landarzt Mikkel Hindhede still und heimlich von sich Reden. Neben seinen Versuchen an sich und seiner Familie mit einer minimalen Eiweißzufuhr (in einem Zeitraum von über 10 Jahren), trat er 1904 an die Öffentlichkeit.
Zunächst allerdings auf dem Gebiet der tierischen Ernährungslehre. Anlass war ein jahrelanger Streit über die optimale Fütterungsnorm bei Milchkühen, die mit eiweißhaltigen Ölkuchen gefüttert wurden, um eine maximale Milchleistung der Kühe zu erhalten. Auch in diesem Bereich hatte sich die Voit`sche Eiweißmast durchgesetzt und die Landwirte besorgten sich für teures Geld den Ölkuchen im Ausland. Hindhede konnte aber beweisen, dass sich der Milchertrag der Kühe nicht verringerte, wenn man ihnen die billigen, einheimischen und eiweißarmen Rüben verfütterte. Nach seinen beweiskräftigen Behauptungen nahm der Rübenanbau in Dänemark wieder drastisch zu und die Bauern des Landes setzten soviel Vertrauen in ihn, dass er zum Vorsitzenden des neu gegründeten Staatsinstituts für Ernährungsforschung berufen wurde.
Hindhede`s größte Heldentat war aber die Abwendung der Hungersnot in seinem Heimatland während des 1. Weltkrieges.
Bedingt durch seinen Ernährungsplan entging Dänemark nicht nur der Hungerkatastrophe, sondern auch einer großen Grippeepidemie von 1918, die ganz Europa überfiel und mehr Menschenleben forderte als der Krieg selbst.

Die praktische Beweisführung der neuen Ernährungslehre


Im fernen Indien begann zu dieser Zeit der irische Arzt Robert McCarrisson sich neben seiner Beschäftigung als Amtsarzt mit wissenschaftlichen Forschungen auseinanderzusetzen.
Er befasste sich speziell mit der Schilddrüse und wie sich die Ernährung auf dieses einzelne Organ auswirkt. Nachdem seine Arbeit durch den 1. Weltkrieg unterbrochen wurde und nicht wie bei Hindhede den Höhepunkt seines Schaffens bedeutete, nahm er seine Arbeit in Nordwestindien wieder auf. Schnell kam er zu der Überzeugung, dass man die Auswirkungen einer falschen Ernährung auf alle Organe des Organismus untersuchen müsse, bevor man sich speziell mit einer einzelnen fehlarbeitenden Drüse beschäftigen könne.

Es wäre für die Zukunft zu wünschen, wenn sich jeder Allgemeinmediziner und Universitätsarzt diese Sichtweise aneignen würde, um den wirklichen Ursachen einer Krankheit auf die Spur zu kommen.

Wenn wir Hopkins als den Urvater der Vitaminforschung ansehen, so muss McCarrisson als der Wegbereiter der ursächlichen Heilbehandlung betrachtet werden. Was McCarrisson als Mangelnahrung bezeichnete, machte Werner Kollath zur „Lehre der Mesotrophie“.
Sein Leitsatz in Bezug auf die Ernährung, „Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich“, ist heute vielleicht aktueller denn je.
Der in Pommern geborene Arzt, Forscher und Künstler nahm in der neuen Ernährungslehre eine Sonderstellung ein, weil er wie kein zweiter für ihre wissenschaftliche Untermauerung verantwortlich gemacht werden muss. Sein Weg als Forscher begann 1923 an der Universität in Breslau unter dem Hut des bekannten Professors Richard Pfeiffer. Unverzichtbar wurde seine Tabelle, welche die Ordnung und den Vollwert unserer Nahrung übersichtlich und präzise wiedergibt. „Wir müssen es zur Gewohnheit werden lassen, die Reihenfolge der aufgenommenen Nahrung vom Lebensmittel zum Nahrungsmittel zu gestalten. Dann folgen wir der Geschichte, Urkost – Neukost!“ Was Kollath damit meinte, war die Entdeckung, dass es bei roher Nahrung im Gegensatz zu gekochtem Essen nicht zu einer Verdauungsleukozytose kommt. Auch stellte er sich die Eiweißfrage noch einmal neu und führte den Begriff „denaturiertes Eiweiß“ ein, womit wiederum eine neue Betrachtungsweise des Eiweißes begann.
So wie Kollath das komplette Ernährungsfeld in alle Einzelteile zerlegt und wieder neu zusammengesetzt hatte, so rüttelte in Amerika ein staatlich Angestellter Arzt die Spitzen der Gesundheitsbehörden wach.

Vollwertnahrung schützt vor Krankheiten


Dr. Benjamin Sandler forschte seit Beginn der 1930-er Jahre intensiv am Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Empfänglichkeit für sogenannte ansteckende Krankheiten. Nach zwölfjährigen Forschungen kam er zu dem Schluss, dass sich der Mensch gegen Infektionen durch richtige Ernährung schützen könne.
Sandler beschäftigte sich intensivst mit der Kinderlähmung und bewies, dass man nur durch einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel für diese Krankheit empfänglich wird.

Nachdem seine Ratschläge mehrmals von den zuständigen Gesundheitsämtern der jeweiligen Epidemiegebiete abgelehnt wurden, war Sandler mehr als einmal dem Verzweifeln nahe. Doch im Sommer 1948 als die nächste große Polio-Welle den Bundesstaat Nord-Carolina heimsuchte, wandte er sich an die örtliche Presse und seine Ernährungsvorschläge und Verhaltensweisen wurden über Rundfunk und Zeitung unter das Volk gebracht. Zuvor hatten die Gesundheitsbehörden der Stadt Asheville vergeblich versucht, durch Schließung von Freibädern, Parkanlagen, Theatern, Kirchen und Autobussen die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.
Am 4. August 1948 begann der große Ernährungsfeldzug im Südosten der USA und die Reaktionen der Bevölkerung übertrafen alle Erwartungen. Hingegen der behördlichen Verbote und Vorschriften und der daraus resultierenden schlechten Stimmung, war es für die Bevölkerung eine Leichtigkeit ihre Ernährung umzustellen und die Kinder mussten den Sommer nicht eingesperrt in den Wohnungen verbringen.

Nach Bekanntgabe der Ernährungsvorschriften nahmen in den nächsten 6 Wochen die Erkrankungen im Gegensatz zum Jahr 1946 um 1581 Fälle ab (Gebiet der gesamten USA). Allein in Asheville ging die Zahl der neuen Polioerkrankungen bis Ende des Jahres um mehr als die Hälfte zurück. Doch was war die Besonderheit an Dr. Sandlers Ernährungsvorschlägen?
Wie wir wissen, bewirkt eine Kost aus Auszugsmehlen, poliertem Reis und Fabrikzucker starke Blutzuckerschwankungen und somit auch einen zu starken Abfall des Blutzuckerspiegels. Sandler entfernte somit alle diese stark bearbeiteten Speisen und riet zum Verzehr von Gemüse, Eier, Milch, Sahne, Käse, Fleisch und Fisch, welche den Blutzucker konstant hielten. Des Weiteren behauptete er in der Presse, dass seine Ernährungsweise bei strikter Durchführung eine so starke Widerstandskraft im menschlichen Körper aufbaue, um mit der Kinderlähmung fertig zu werden. Auch klärte er den Zusammenhang zwischen dem heißen Wetter und den daraus folgenden Verzehr von süßen Speisen und Getränken.
Doch nicht jeder war begeistert von Sandlers Ernährungsreform, denn die Umsätze von Fabrikzucker, Kuchen, Speiseeis, Limonaden und Bonbons nahmen rapide ab. Allein ein einziger Speiseeisfabrikant verkaufte 4 Millionen Liter Eiscreme weniger als im Jahr zuvor. Dass diese Tatsache den betreibenden Nahrungsmittelkonzernen und der dazugehörigen Zuckerindustrie sauer aufstieß, verstand sich von selbst.

Fabrikzucker? - NEIN DANKE!


Der weltweit größte Nahrungsmittelkonzern „Nestle“ erwirtschaftete 2005 einen Umsatz von 57 Milliarden Euro mit einem Gewinn von 5 Milliarden Euro. Der jährliche Verbrauch an Fabrikzucker dieses Unternehmens lässt sich nur schwer einschätzen.
In der Schweiz nimmt jeder Einwohner im Schnitt 42 kg Fabrikzucker jedes Jahr zu sich. Das sind täglich 115 g, was ungefähr die Menge einer Tafel Vollmilchschokolade, einer Büchse Cola und eines Fruchtjoghurts ausmacht. Da dies ein durchschnittlicher Wert ist, können wir uns ausmalen, dass einige Leute täglich über 300 g von dieser gefährlichen Droge zu sich nehmen.

Bereits im Jahr 1913 machte der amerikanische Zahnarzt Weston A. Price auf den Zusammenhang von Ernährung und Zahnbildung aufmerksam. In diesem Zeitraum betrug der pro Kopf Verzehr von Fabrikzucker in den USA circa 18 Kilogramm im Jahr. Er konnte nachweisen, dass sich bei Kindern, welche mit Auszugsmehl und Fabrikzucker ernährt werden, bleibende Defekte an den noch nicht vorhandenen zweiten Zähnen bilden. Angetrieben von diesem Elend, welches er tagtäglich in seiner Praxis sah, begab er sich 1924 auf eine 12 Jahre währende Reise, um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit zu erforschen.
Dabei bereiste Price die ganze Welt und konnte immer wieder feststellen, welch gutes Allgemeinbefinden die Naturvölker besaßen, die noch nicht in den Genuss der Zivilisationskost gekommen waren und ihre natürliche Lebensweise beibehielten.

Ähnliche Erfahrungen machte der Direktor des Pathologischen Instituts der Medizinischen Akademie von Osaka Prof. Dr. med. A. Katase. In einem Zeitraum von über zehn Jahren untersuchte er mit einem über vierzigköpfigem Mitarbeiterteam „den Einfluss der Ernährung auf die Konstitution des Organismus“ und veröffentlichte 1934 unter diesem Titel seine Ergebnisse in Buchform.
Katase beschäftigte sich insbesondere mit den Wirkungen der unterschiedlichen Mineralstoffe auf die Lebensfunktionen und den Veränderungen an Organen und Geweben. Er kam zu dem Ergebnis, dass es auf das Gleichgewicht aller lebensnotwendigen Stoffe untereinander ankommt. Dieses Gleichgewicht wird aber gestört, wenn Fabrikzucker, Auszugsmehl und Fleisch den Hauptbestandteil der Nahrung ausmachen, so dass es zu einer langsamen, aber krankhaften Veränderung von Gewebe und Organe kommt.
Gerade die Veränderungen des Knochensystems und des ganzen Hartstützgewebes nahmen Katase und seine Mitarbeiter genau unter die Lupe. Demnach sind Knochen und Gebiss bei Zivilisationskost geschwächt, auch wenn Milch und Kalziumpräparate zusätzlich verabreicht werden, wohingegen dies bei Völkern mit einem guten Mineralstoffgleichgewicht nicht der Fall ist.
Katase beobachtete weiterhin eine „körperliche Schwäche“ bei Kindern, die häufig Kuchen und Süßigkeiten aßen. Daraufhin führte er sorgfältige Fütterungsversuche mit Fabrikzucker an jungen Tieren durch. Bei einer ersten Versuchsreihe an Kaninchen, Meerschweinchen und Tauben in einem Zeitraum von 146 Tagen, bekamen diese Tiere zur gewöhnlichen Nahrung täglich eine Zuckermenge verabreicht, die umgerechnet auf ein 20 – 30 kg schweres Kind 40 – 60 g betragen würde.
Innerhalb dieser Zeit kam es zu schweren Veränderungen des ganzen Knochensystems; die Knochen wurden so weich, dass man sie mit einem Messer problemlos zerschneiden konnte. Unter einem Mikroskop konnte man erkennen, wie porös die Knochen durch die Kalkauslaugung geworden waren, was zu Verformungen, Verbiegungen und Brüchen führte.
Gleichzeitig stellten Katase und seine Mitarbeiter im Knochen und in der Knochenhaut eine verstärkte Zelltätigkeit fest, was dazu führte, dass sich die Röhrenknochen verlängerten. Diese und andere Formveränderungen des Skeletts zeigten sich immer wieder, wenn durch die Nahrung eine Blutversäuerung erzeugt wurde, was bei einer fleischreichen Kost ebenso wie bei einer stark zuckerhaltigen Nahrung geschehen konnte.
„Wenn die Toleranz beim Menschen genau dieselbe wäre wie beim Kaninchen, so wäre eine Zuckermenge von nur 6g, welche Kinder von 5 – 6 Jahren und von etwa 20 kg Körpergewicht ohne Schädigung vertragen können.“

Was wäre, wenn die medizinische Fachwelt diese Worte von A. Katase nicht einfach so links liegen gelassen hätte und sich diese „Krankheit der Zeit“ nicht hätte verbreiten können? So aber mussten weitere Forschungen vergehen, um einer Welt ohne Ernährungslügen ein kleines Stück näher zu kommen.

Dies taten die berühmten Katzenversuche des kalifornischen Arztes Dr. Francis M. Pottenger, welche ein weiterer Hoffnungsschimmer auf dem Weg dorthin waren. Zehn Jahre lang konnten er und sein Team an über 900 Katzen die Auswirkungen verschiedener Ernährungsweisen feststellen.
Pottenger konnte eindeutig beweisen, dass die Katzen, die mit Fleisch und Milch im rohen Zustand gefüttert wurden besser gediehen, als ihre Artgenossen, die von gekochter Nahrung lebten. An über 8 Generationen konnte er die nachteilige Wirkung, der durch den Kochprozess veränderten Nahrung an den Tieren veranschaulichen.
Die degenerativen Veränderungen nahmen von Generation zu Generation zu, eine Tatsache die sich heute sehr anschaulich bei den Eskimos beobachten lässt. Die Eskimos, die sich seit Generationen mit der landestypischen Nahrung ernähren, besitzen volle breite Gesichter mit voll ausgebildeten Zahnbögen, wohingegen sich schmale Gesichter bei denjenigen ausbilden, deren Vorfahren sich von denaturierten Nahrungsmitteln ernährten.


Die Entstehung der ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten


In den fünfziger Jahren stellt der englische Diabetesforscher Thomas L. Cleave bei breit angelegten Forschungen die Zuckerkrankheit nur bei Völkern fest, welche raffinierten Kohlenhydrate verzehrten. Zusammen mit seinem Kollegen George D. Campbell reiste er durch Indien und Afrika und in akribisch angelegten Studien wiesen sie auf den Zusammenhang von Diabetes und dem Zuckerverbrauch hin.
Nach vielen weiteren Forschungen stellten sie die „Regel der 20 Jahre“ auf, welche besagt, dass ein Diabeteskranker sich vor dem Ausbruch der Krankheit circa 20 Jahre mit raffinierten Kohlenhydraten das Leben versüßen müsse. Eine Regel die auch für andere ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten gilt. Die Ergebnisse von Cleave & Campbell wurden von vielen anderen Wissenschaftlern weltweit unterstützt.
Einer von ihnen ist der australische Forscher Paul Zimmet, dessen Forschungen bei Naturvölkern zeigten, dass nur die Menschen an Diabetes erkrankten, welche die typische westliche Industriekost zu sich nahmen. Seine Beobachtungen bezeichnete der international renommierte Wissenschaftler als „Cola-Kolonialisierung“.

Eine weitere wichtige Erkenntnis für die Entstehung von ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten gelang in den sechziger Jahren dem tschechischen Forscher Dr. Jiri Bernasek. Er nahm Fütterungsversuche an Ratten mit synthetisch zusammengestellter Nahrung vor, die alles an den bekannten Vital- und Nährstoffen enthielt, um die Erhaltung des Lebens und der Gesundheit zu garantieren.
Bernasek untersuchte dabei nicht nur die Schäden der jeweiligen Versuchstiere, sondern auch die Auswirkungen auf die späteren Nachfolgegenerationen. Die Tiere der ersten Generation überlebten und vermehrten sich ziemlich normal, doch schon in der zweiten Generation war das Gewicht niedriger und es kam zu vereinzelten Totgeburten. In der dritten Generation kam es schon zu massiven Degenerationen lebensnotwendiger Organe, allen voran des Nervensystems und ab der vierten Generation gab es überhaupt keine normal entwickelten Tiere mehr. Bekamen die Tiere zusätzlich zu ihrer künstlichen Kost Vollkorngetreide verabreicht, blieben die Schäden aus.
Kollath machte ähnliche Versuche mit frisch gemahlenem Getreide und nannte die noch nicht identifizierbaren, aber für die Erhaltung der Gesundheit immens wichtigen Stoffe, Auxone (Zellerneuerungsstoffe). Heute bezeichnen wir die lebensnotwendigen Stoffen als Vitalstoffe. Diesen Begriff prägte der Gründer der „Internationalen Gesellschaft für Nahrungs- und Vitalstoff-Forschung e.V.“, Prof. Dr. H. A. Schweigart. Bernasek stellte bei weiteren Fütterungsversuchen eine Veränderung der Nachkommen im Laufe der Generationen fest.
Hierzu teilte er die Tiere in 5 verschiedene Gruppen ein. Bei den Tieren, die zu ihrer normalen Kost frisch gemahlenes Vollkornmehl bekamen, gab es in der 4. Generation immer noch 12 Nachkommen, wohingegen es bei der Gruppe mit 14 Tage altem Vollkornmehl schon in der dritten Generation nur noch 3,2 Nachkommen gab. Warum erst bei späteren Generationen sichtbare Schäden auftraten erklärte Bernasek damit, dass der Organismus für eine bestimmte Zeit fähig ist, durch Ausgleichmechanismen das Deutlichwerden der Ausfallsymptome zu verhindern. Dies ist auch der Grund, warum viele Krankheiten nicht in Verbindung mit einer jahrelangen falschen Ernährungsweise in Zusammenhang gebracht werden, sondern oft als so genannte Verschleißerscheinungen oder altersbedingte Krankheiten abgehandelt werden.

Die Macht der Nahrungsmittelindustrie auf die Politik und den einzelnen Bürger lässt natürlich all diese Entdeckungen nicht an die Öffentlichkeit kommen.
Es gäbe ein schreckliches wirtschaftliches Szenario, wenn die Bürger jedes Landes vollkommen gesund wären, ganze Industriezweige würden vor dem Bankrott stehen und einzelne Berufszweige nicht mehr existieren. Darum ist es für eine Machthabende Regierung immer noch rentabler, ein krankes Volk zu regieren und die Bürger in Zusammenarbeit mit Industrie und Krankenkassen nur über Scheinursachen aufzuklären.

Bereits 1964 prangerte der Zahnarzt Dr. Johann Georg Schnitzer die Regierung und das Parlament der BRD wegen einer drohenden Flut von Degeneration und chronischen Krankheiten an. In seinem achtseitigen Memorandum klärte er über die Ursachen der katastrophalen Gesundheitszustände der deutschen Bevölkerung auf und wies über die Gefahren hin, die in Zukunft noch zu erwarten wären. Traurigerweise sind sie heute Wirklichkeit geworden.
Es gibt noch viele andere Personen, die mit ihren Büchern, Ergebnissen und Forschungen die Wissenschaftlichkeit der neuen Ernährungslehre stückweise untermauerten. John Yudkin, Albert von Haller, Dr. Ralph Bircher trugen ihren Teil ebenso dazu bei, wie William Dufty,
Prof. Dr. med. Russell H. Chittenden, Adolf Roos und
Prof. Dr. Lothar Wendt, doch niemand hatte so einen entscheidenden Anteil daran, wie der Gesundheitsarzt Dr. med. Max Otto Bruker.
Ihm gebührt die praktische Beweisführung der neuen Ernährungslehre. Durch seine jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen als ärztlicher Leiter von verschiedenen biologisch geführten Kliniken konnte er wie kein Zweiter die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheit beobachten. Im Gegensatz zu der üblichen symptomatischen Linderungsbehandlung seiner Kollegen, betrieb er eine ursächliche Heilbehandlung, die es seinen Patienten ermöglichte, das wahre Wesen ihrer Krankheit zu erkennen. Er führte die Arbeit von Bircher-Benner und Kollath weiter und setzte diese Erkenntnisse in der Praxis um. Seine Vollwerternährung beinhaltete die Meidung von Auszugsmehlen, aller Fabrikzuckerarten, aller raffinierter Fette und Säfte bzw. gekochtem Obst. Dagegen sollten täglich Vollkornbrot, Frischkornbrei, rohes Obst und Gemüse, sowie naturbelassene Fette auf dem Speiseplan stehen.
Seine Empfehlungen waren stets das genaue Gegenteil, von der üblichen Lehrmeinung der Ärzteschaft. Seinen zahlreichen Gegnern von Seiten der Medizin, Politik, Industrie, Gesellschaft, die ihn, wie auch damals Bircher-Benner, als unwissenschaftlich bezeichneten, konnte er stets folgendes entgegenbringen: „Wer heilt, hat Recht“!

Quellen:
"Die neue Ernährungslehre" von Mikkel Hindhede
"Bircher-Benner Leben und Lebenswerk" von Dr. Ralph Bircher
"Werner Kollath Forscher, Arzt und Künstler" von Elisabeth Kollath
"Dr. med. Max Otto Bruker Der Gesundheitsarzt" von Siegfried Pater
"Macht und Geheimnis der Nahrung" von Albert von Haller
"Gefährdete Menschheit" von Albert von Haller
"Unsere Nahrung - Unser Schicksal" von Dr. med. M. O. Bruker
"Pottengers Cats: A Study In Nutrition" by Francis M. Pottenger, Jr., M.D.


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